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Was ist Gesundheit- Teil 4

Die Vorstellung, was Gesundheit ist, veränderte sich im Lauf der Geschichte und der Epochen. Auch innerhalb der Kulturen unterscheiden sich die Kriterien, die gesund oder krank bedeuten….

Im Mittelalter definierte man nicht Gesundheit, sondern die Krankheit.

Krankheit ist Folge von Sünde! Sie ist nicht sinnlos, sondern verlangt Deutung als von Gott gesandte Versuchung.

So ein Quatsch, sagt hier manch Einer…. Vollkommen überholt, sagt ein Anderer…. Sehen wir genauer hin! Wie gehen wir damit um, mit all unserem wissenschaftlichen Hintergrund und medizinischem Fortschritt? Ist der Schwule nicht selbst SCHULD!, wenn er HIV- positiv ist? Der Raucher ist SCHULD!, wenn er Lungenkrebs bekommt. Unsere sogenannten „Wohlstandskrankheiten“ sind Folge jahrelanger Sünde,oderr? Schuld und Krankheit stehen daher auch heute noch oft in unmittelbarem Zusammenhang. Sicher ist Gott heute mehr oder weniger außen vor, aber oft stellt sich der Mensch selbst in großem Leid die Frage: Was habe ich falsch gemacht? Was habe ich getan bzw. wo habe ich gesündigt, das ICH SO BESTRAFT werde? Bestraft von wem? Da haben wir Gott scheinbar doch noch im Spiel…. Und mancher fängt wieder an zu beten, der es jahrelang für kindisch hielt…..

Schuld bedeutet Stress und Stress schadet der Gesundheit. Und Stress ist kein Gefühl, sondern, wie in vielen Studien wissenschaftlich erwiesen, ein KRANKHAFTER ALARMZUSTAND DES KÖRPERS! Besteht ein solcher Zustand über Jahre, ist er gleichzusetzen mit einer chronischen Krankheit.

Beschauen wir mal unser heutiges, modernes System bezogen auf Schuld und damit verbundenem Stress. Der Teufelskreis beginnt bereits im Kindesalter. Als Beispiel blicken wir mal hierzulande ins Schulsystem. Viele Kinder, Eltern und Lehrer leben viele Jahre in Schuldgedanken! Eine infame Behauptung? Ich sage nein, denn an vielen Beispielen kann man hier die Entstehung von Krankheiten nachvollziehen und die Gesundheit und Lebensfreude (was UNMITTELBAR auch zusammenhängt!) verschwinden sehen…. Durch Normierung, Perfektionismus und damit verbundenem Leistungsdruck ist hier der Stress für alle Beteiligten oft enorm!

Betrachten wir zuerst das Kind- der Samen- der zu einer gesunden starken Pflanze heranwachsen soll- der gehegt und gepflegt werden muss und unter Bedingungen, die das auch zulassen…. Bereits im Kindergarten werden unsere Kleinen Normen und statistischen Vergleichen ausgesetzt, die alles, was dort nicht hineinpasst, als unnormal oder therapiebedürftig darstellen. Wenn gewisse Vokale oder Konsonanten nicht deutlich gesprochen werden, wird der Logopäde empfohlen. Sollten vermehrt soziale Konflikte im Vordergrund stehen, gehts zum Psychologen und wenn das mit dem Schuhe binden bis zum 5. Lebensjahr nicht klappt, zieht man am Besten mal den Ergotherapeuten hinzu… (?) Und schon hier fühlt es sich schuldig, es fühlt sein Versagen und nicht sein Wachsen. Auch der Terminkalender lässt bei vielen der Kleinsten schon keine Entfaltung von Freiheiten mehr vor- wichtige Möglichkeiten des normalen Lernens und Erlebens werden hier genommen und durch übertriebene Formung und Überplanung zunichte gemacht. Und vieles, ob Schwimmen, Instrument spielen oder Englischunterricht im Vorschulalter dienen nicht der Entfaltung, sondern dem Bestehen gegenüber einer (vermeintlichen?) Konkurrenz. Der Termindruck führt wiederum zu Streß und bei Versäumnissen zu Schuld und Demotivation. Wird das Kind dem nicht gerecht, entsteht ein Schuldgefühl gegenüber den Eltern, die soviel für den Unterricht bezahlen und doch nur das Beste wollen. Wieder versagt!

In der Schule ist dann der Lehrplan das Mittel zum Wachsen und Gedeihen. Entwicklung bedeutet Erfüllung von Lernstandartvorgaben. Alles, was da nicht passend erscheint, wird zur Entwicklungsstörung… Kinder mit einem hohen Bewegungsdrang, die nicht stillsitzen, werden Diagnosen wie ADS behaftet. Sie erhalten Medikamente, um einen lebensfernen und entgegen jeder physiologischen Entwicklung gestalteten Lehrplan, nicht zu stören. Und bis dahin haben sie schon einen sehr stressigen Weg hinter sich. Und so wird Krankheit wahrlich zur Folge von Sünde! Nämlich durch die Sünde einer ganzen Gesellschaft….

Und auch die Eltern fühlen sich schuldig, wenn IHR Kind nicht perfekt ist, nicht so funktioniert, wie die angebliche Norm. Diese Schuld wird zu Druck und neuem Stress zu Hause, die Erwartungen sind so hoch, dass eine Erfüllung eigentlich eine Unmöglichkeit bedeutet, denn es geht nicht um die Eltern, sondern einfach um ein Kind. Schuldgefühle bei Eltern führen im Weiteren zu Angst vor Sanktionen, dem Jugendamt, vor eventuellen Diagnosen, mit denen man die Kinder einzugruppieren versucht. Und Schuldgefühl gegenüber dem Lehrer, der ja wegen Ihrem Kind seinen eigentlichen Plan nicht erfüllen kann.

Und der Lehrer??? Der ist Schuld, dass der Stoff nicht in der von Erwachsenen „beschlossenen“ Zeit in das Gehirn der Kinder dringt, er ist Schuld vor seinem Chef und vor den Eltern, wenn die Noten einer Klasse unter dem „Durchschnitt“ liegen. Wenn er versucht, seine Schützlinge zu erziehen oder klare Konsequenzen zu setzen,(die es meiner Erinnerung nach früher immer gab!) , geben ihm Eltern Schuld, das Kind missachtet oder gar mißhandelt zu haben. Jeder gegen Jeden und jeder ist schuld… Na, was meinen sie nun? Ist Krankheit Folge von Sünde???? 😉

AMEN!

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Autor:

Krankenschwester, Dozentin für Gesundheitswissenschaften, Gesundheits- und Sozialmanagerin B.A., Anwärterin Master im Management von Organisationen und Personal im Gesundheitswesen, Care- Slammerin, Autorin, Gutmensch

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