Woran kann ich im Vorfeld etwas über die Qualität von Gesundheitseinrichtungen erkennen?

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Jeder, der mit der Wahl einer Einrichtung im Gesundheitswesen konfrontiert wird, soweit er denn überhaupt die Wahl hat, fragt , entweder still für sich oder auch bei anderen im Bekanntenkreis, automatisch nach der Qualität der Organisation, nach Meinungen oder Erfahrungen Anderer. Viele der Gedanken im Vorfeld und der so unterschiedlich geprägten Informationen und teilweise subjektiv entstandenen Eindrücken führen nicht immer zu befriedigenden Ergebnissen. Es tritt Verunsicherung ein und auch Angst, ob denn, für sich selbst oder einen nahestehenden Menschen die richtige Wahl getroffen wurde.

Stellt man selbst Mängel in einer Einrichtung fest, ist es dann oft schwer, die richtigen Argumente an der richtigen Stelle der Organisation anzubringen:

Wer ist für was überhaupt innerhalb der Einrichtung verantwortlich? Und wie kann ich im entsprechenden Fall argumentieren? Worauf kann ich mich als Patient berufen oder wie und wo kann ich die Qualität dort nach objektiven Maßstäben hinterfragen?

Da die Gesundheit der Menschen im Mittelpunkt der Einrichtung stehen sollte, stellt sich an der Stelle die Frage, ob es Möglichkeiten oder auch Einblicke in die qualitative Ausrichtung von Kliniken, Pflegeheimen, sowie Pflegediensten aller Art auf dem bunten und unübersichtlichen Markt des Landes gibt.

Woran erkenne ich vielleicht genauer, ob die medizinische und pflegerische Versorgung qualitativ hochwertig ist und sich an aktueller Wissenschaft orientiert, oder ob der Profit bei dieser Einrichtung vordergründig erscheint?

Erst mal eine generelles JA! dazu. Es gibt wirklich Hinweise, die man im Vorfeld mal genauer betrachten kann. Wichtig: es sind lediglich Hinweise, sie geben keine absolute Garantie und auch keine 100%ige Sicherheit, aber: Sie können das Risiko minimieren und die Wahl entscheiden helfen- und das ist doch schon einmal ein durchaus nicht zu unterschätzender Punkt, wenn es um die eigene Gesundheit geht!

Und da die nun folgenden Dinge zur Entscheidung in meinen Augen viel wichtiger sind, als die sowieso in Kritik geratenen und in meinen Auge vollkommen widersinnigen Prüfungsnoten des MDK, sollte jeder Mensch, dem die Wahl der Einrichtung nicht egal ist und der sich im Vorfeld darüber informieren will, wissen, wo und wie er an Informationen kommen kann. Denn dann kann jeder auch selbst überlegen, was siw konkret für ihn in seinem persönlichen Fall bedeuten.

Wichtige grundsätzliche Infos findet man:

  1. Im Leitbild der Einrichtung

1.1 Was ist ein Leitbild?

Jede Einrichtung im Gesundheitswesen verfügt über ein eigen verfasstes Leitbild, in welchem die Werte und die Kultur, die Organisationsstruktur und auch die Beziehungen der Organisation seitens der Leitungsebene dargestellt und niedergeschrieben sind. Das Leitbild dient daher der Orientierung für alle, die mit dieser Einrichtung in Kontakt sind, ob als Kunden, Mitarbeiter oder auch Kooperationspartner. Es ist die bildhafte Beschreibung des „Wesens der Organisation) [1]Pflegewiki!

Das Leitbild sollte in der Einrichtung offen aushängen und für alle transparent sein (schwarzes Brett?, Info- Eingangsbereich.. ect.) Ebenso sollte es bei größeren Einrichtungen auch auf der Homepage zu finden sein, daher lohnt eine gezielte Suche dort im Vorfeld auch.

1.2 Wozu dient es?

  • Führungsinstrument
  • Qualitätssicherungsinstrument
  • Werbemittel (in Richtung KundInnen und in Richtung künftiges Personal)

Damit liefert es die Orientierung und bekräftigt die Ausrichtung und Werte der Führung, also die Regeln und Kultur, die die Organisation als Rahmenbedingung von allen Beteiligten erwartet. Ebenso enthält es Informationen über den Umgang mit Kunden, Mitarbeitern und Partnern.

„Was ist der eigentliche Auftrag?“  – Vergleichen Sie die Unterschiede….

„Welche Regeln und Wertevorgaben sind für das Personal ersichtlich und verbindlich?“

Wenn Sie kein Leitbild finden, stellt sich die Frage nach dem warum. Jedenfalls sagt es aus, dass es keine konkreten und für alle verbindlichen Linien transparent und einsehbar für alle, gibt. Warum, kann wiederum verschiedene Ursachen haben. Entweder kann es keiner oder es will keiner wirklich.

Warum kann keiner? Da stellt sich die Frage, inwieweit neues Wissen und solche Instrumente der Organisationsentwicklung innerhalb der Führungsriege bekannt sind- was auch Auskunft über die fachliche Kompetenz und Aktualität des vorhandenen bzw. genutzten Wissens innerhalb der Führung gibt. Schauen sie daher, was die Einrichtung auf anderen Wegen über sich verrät.  Erscheint die fachliche Kompetenz vorhanden, bzw. sind regelmäßige Fortbildungen oder auch Mitarbeiter mit aktuellem Wissen im Team, ist die Frage: Was will man bewusst NICHT sagen. Wir haben primär wirtschaftliche Interessen, würde sicher für die Patienten nicht so gut klingen… Also lesen Sie auch zwischen den Zeilen!

Es mag aber auch andere Wege geben, wie Grundätze und Kultur innerhalb der Einrichtungen (vor allem in kleineren) kommuniziert und gemeinsame Ziele erreicht werden können. Oft verstecken sich diese Infos auch verstreut auf der Homepage unter den Rubriken „Über uns“, „Geschichte der Einrichtung“, „Unser Auftrag“ o.ä.

Dennoch sollten Sie auch hier schauen, was in oder eher auch nicht in diesen Zeilen steht. Finden Sie dort lediglich sachliche Hintergrundinfos und allgemeine Floskeln oder aber gezielte und differenzierte Aussagen? Kommen Begriffe wie Humanität, Menschlichkeit, Würde, Respekt oder fachlich qualifiziert vor? Werden Konzepte oder Theorien darin aufgegriffen, die als eigene Sichtweise oder Arbeitsgrundlage dienen? Oder ist der Auftritt ausschließlich ausgerichtet auf Begriffe, wie wissenschaftlich, forschungsinteressiert oder ökonomisch effizient? Oder finden sie weder Aussagen zum einen noch zum anderen? Dann wissen sie nämlich gar nicht, wo sie dran sind! – Was ich als am Schlechtesten bezeichnen möchte, in dieser Situation. Sie sollten daher im Zweifel auch mal persönlich nachfragen beim Qualitätsmanagement, wenn vorhanden, denn diese Adresse muss transparent sein- ansonsten fragen Sie direkt bei der Geschäftsleitung. Das kostet übrigens noch nix- ein wahrer Vorteil im heutigen Gesundheitswesen, finde ich! 😉

1.3 Was ist wichtig zu beachten, wenn es ein Leitbild gibt?

Das ist grundsätzlich schon mal von Vorteil und gut, denn daran können Sie nun Ihren Anspruch an diese Einrichtung auch geltend machen. Schließlich ist es das, was die Einrichtung von sich selbst behauptet, ZU SEIN! Dieses Maß hat sie selbst gesetzt, ähnlich, wie wenn sie einen Staubsauger kaufen, der mit allen möglichen Vorteilen und Besonderheiten beworben wird. Damit gilt das Unternehmensleitbild einerseits als Qualitätsvorgabe für die Dienstleistung des Unternehmens, wie auch als Werbeinstrument und ermöglicht so auch die Kontrolle über die vermeintliche vorgegebene Norm in diesen Bereichen. Dies bedeutet, das Schein und Sein übereinstimmen sollten, ansonsten verspricht die Werbung mehr, als das Produkt letztendlich hergibt. Beim Einkauf von Gütern wäre dies also glatter Betrug am Verbraucher und würde auch gesetzlich sanktioniert! 😉

Normalerweise soll das Leitbild einen Gesamteindruck ermöglichen, das heißt generell, je detaillierter und konkreter es formuliert ist, desto mehr erfahre ich als Nutzer von den Zielen, Werten und Leitinteressen der Organisation und umso mehr habe ich die Möglichkeit, diese Inhalte auch mit meinen eigenen Eindrücken abzugleichen.

Denn: die Aussage des Leitbildes soll WAHRHAFTIG sein, daher ist die Glaubwürdigkeit ein überaus wichtiges Kriterium, auch im Vorfeld, um Qualitätsorientierung von Wirtschaftlichkeitsorientierung unterscheiden zu können. Erkennen Sie die niedergeschriebenen Werte und Leitvorgaben bei genauem Hinsehen der praktischen Abläufe und bei den Handlungen des Personals? An welchen Stellen sind hier Ungereimtheiten, passt das Bild für Sie nicht oder wo passt es ganz besonders gut?

Da Sie als Patient oder Nutzer dieser Dienstleistungen die Einrichtungen finanzieren, haben Sie ein Recht auf eine offene Antwort auf Ihre gestellten Fragen in diesem Zusammenhang. Daher sollte die dortige Führungskraft durchaus auf solche inhaltlichen Unstimmigkeiten Stellung beziehen (können) müssen!

Ist Pflege nach Standard dort Standard?

Ein wichtiges, wenn auch noch recht junges, aber dennoch verbindliches und nicht zu unterschätzendes Instrument zur Sicherung einer pflegerischen Grundqualität, bieten die seit einigen Jahren bestehenden Nationalen Expertenstandards. Sie liegen zu wichtigen Kernproblemen der pflegerischen Versorgung, wissenschaftlich erarbeitet und fundiert[2], vor und sollen einen einheitlichen Handlungsrahmen für alle Einrichtungen, in denen Pflege umgesetzt wird, schaffen, strukturieren, aber auch bundesweit GARANTIEREN.

Damit setzen sie klare Vorgaben für alle zu durchlaufenden Schritte des pflegerischen Versorgungsprozesses und damit ein Mindestmaß an Qualität und Vergleichbarkeit. Jede Einrichtung, die pflegerische Tätigkeiten praktisch innerhalb der BRD umsetzt, ist seit Erscheinen (theoretisch) verpflichtet, das eigene Handeln mit den Vorgaben dieser Standards abzustimmen, bzw. deren Umsetzung durch alle am Prozess Beteiligten nach dieser Rahmenvorgabe in der eigenen Einrichtung zu etablieren. Es ist daher klare Verantwortung und Aufgabe der Geschäftsführung, die Mitarbeiter zu schulen und das Wissen, das sie für eine professionelle Versorgung gemäß dieser Standards benötigen, innerhalb der eigenen Einrichtung zu multiplizieren.

Die Mitarbeiter selbst müssen sich dabei an die Vorgaben der (praktischen!) Umsetzung im Arbeitsumfeld, also die Dienstanweisung des Hauses, im Umgang mit dem beschriebenen Phänomen, halten.

Und es ist KEINE KANN- REGELUNG, sondern ein verbindliches MUSS und damit sind die bereits veröffentlichten nationalen Expertenstandards zum Instrument der Qualitätssicherung, aber auch im Schadensfall für Sachverständige und Juristen die ausschlaggebende Grundlage, um gegen Einrichtungen im Pflegebereich zu argumentieren.

Nicht alle Träger und Verantwortlichen scheinen sich aktuell dessen bewusst, also machen Sie sie ruhig darauf aufmerksam, denn es könnte ihnen und ihren Häusern langfristig viel Geld sparen, alleine, wenn man zukünftige mögliche Klageverfahren bedenkt.  Das gilt übrigens für ambulante Einrichtungen der Pflege ebenso, wie für stationäre, für Krankenhäuser, wie für Pflegeheime oder Pflegedienste, für private Träger genauso, wie für frei- gemeinnützige oder staatliche Organisationsformen.

Es gilt: FÜR ALLE!

 

Bisher sind als Expertenstandards erschienen:

Versorgung chronischer Wunden, Pflege bei chronischen Schmerzen, Pflege bei akuten Schmerzen, Kontinenz erhalten, Dekubitusprophylaxe, Ernährung, Mobilität, Sturz, Entlassungsmanagement, Demenz (nicht veröffentlicht),

Es ist ein Anfang und weitere Themengebiete sind bereits in der Bearbeitung, bzw. werden folgen und damit Einzug in den praktischen Versorgungsalltag halten.  Jedenfalls gibt es durchaus damit bereits verbindliche Richtlinien im Umgang mit einem großen Teil spezieller Pflegesituationen. Fragen Sie also ruhig nach, sollte es eines der o.g. Themen sein, die Sie bewegen, oder dies eben gerade nicht zulassen. 😉

Übrigens sollten diese Standards auch die aktuell geltende Grundlage für MDK-Prüfungen, Kommunikation mit Krankenkassen und auch Medizinern usw. sein, daher können sie auch dort mit ruhigem Gewissen nachfragen, wenn ihnen etwas unstimmig vorkommen mag! 😊 Denn, wenn sie dort nicht bekannt sind, wird es Zeit, dass die Verantwortlichen dies auch selbst bemerken, aber das führt nun zu weit.

So, da hätten wir schon mal zwei greifbare Instrumente für den Normalverbraucher nutzbar gemacht und damit 1000 Argumente aufs Tablett gebracht, die eine Einforderung von Qualität ihrerseits rechtfertigen können.

Qualitätsberichte sind eine Möglichkeit, die Einrichtungen nutzen können, um ihre Qualität auch nach außen zu kommunizieren oder vergleichbar zu machen. Sie geben zumindest einen Hinweis darauf, dass Qualität grundsätzlich kein Fremdwort ist und dass Kontrollinstrumente in der Einrichtung zur eigenen Verbesserung genutzt werden.

Hier sollten negative Punkte positiv betrachtet werden, denn sie wurden somit von der Einrichtung erkannt und auch konstruktiv, im Sinne einer Verbesserung, bearbeitet. Nobody is perfect, aber man arbeitet hier scheinbar daran… Geben sie hier ruhig umfassende und deutliche Rückmeldungen an das Qualitätsmanagement, denn die Wahrscheinlichkeit, dass sie gehört werden, ist hier durchaus recht groß.

 

[1] http://www.pflegewiki.de/wiki/Leitbild

[2] EBN- evidence based nursing!

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