Lampenfieber und die Kunst

Ich bin krank!

Ich habe Fieber. Lampenfieber!

Denke ich, denn es ist schwer zu diagnostizieren…. Die Temperatur ist bei diesem Fiebertyp entgegen viralem oder bakteriellem Fieber vollkommen normal! Zu verzeichnen sind in den meisten Fällen Puls- und RR- Anstieg, Blässe und ein übermäßiges Miktionsverhalten mit geringer Ausscheidungseffizienz. Dazu kann Unkonzentriertheit oder auch ein Angstgefühl kommen.

Wie man das kriegt?

Prinzipiell kann es jeden treffen. Immer, wenn man irgendwo öffentlich auftritt oder mit viel Aufmerksamkeit konfrontiert wird, kann das passieren… Jeder erinnert sich sicher an eine Situation, als Kind mit der Klasse auf einer Feier zu singen oder gar alleine etwas vorzustellen und kennt daher auch die Symptome dieser Fieberform.

Auf jeden Fall haben insbesondere Künstler Lampenfieber und ich bin ja auch Künstler…

Was ich mache?

Ich care! Nein, nicht kehren! Caren!!!

Zu deutsch: ICH PFLEGE. Und gute Pflege ist eine Kunst. The modern art of caring, denn gute Pflege ist mehr, als Waschen, sie ist eine eigene Wissenschaft, und sie ist Kunst!

Nein?- Doch!

Pflegende können mit wenigen Mitteln, ganz spontan und kreativ Dinge gestalten.

Pflege ist rahmenlos, sie erstreckt sich in alle Felder des Lebens und über alle Generationen, Schichten und Kulturen. Sie ist eine sehr alte Kunst, die in den letzten Jahrzeiten eine enorme wissenschaftliche Aufarbeitung erfährt. Sie enthält mächtiges Wissen, das durch die Jahrhunderte weitergegeben, aber auch immer wieder zerstört wurde oder von anderen (Berufs- und Glaubensgruppen- und immer, soweit mir bekannt, Vertreter des männlichen Geschlechts!) als Rechtfertigung und Zusatzdienst benutzt wurde. Daher ist es noch immer eine recht brotlose Kunst und das vollkommen zu Unrecht!

Denn sie ist eigentlich eine der ältesten Künste auf dieser Welt, – neben dem ältesten auch von Frauen dominierten Gewerbe dieser Kugel, welches die Männer auch heute weiterhin in den Schranken hält, soweit nötig!

Pflege ist sie ist existenziell. Ohne Pflege von Anbeginn kein Leben, denn wir kommen eigentlich im Vergleich zu vielen anderen Lebewesen, nicht fertig und funktionsfähig auf diese Welt. Wir benötigen Pflege zum Überleben! Pflege ist älter als die Politik, denn das waren erst die Summerer, die damit angefangen haben. Pflege aber gab es schon in der Steinzeit! Und die strukturierte Verwaltung kam auch erst weit nach der Politik, nämlich irgendwann bei den Römern.

Als Erstes war die Pflege! Da sollten Geschäftsführer von Pflegeeinrichtungen mal drüber nachdenken!!!

Früher waren Wissenschaft und Kunst in den Händen des Klerus, also des Adels und der Glaubensgemeinschaften. Für uns heute unvorstellbar. Schlimme Zeit! Frauen wurden als Hexe verbrannt, nur weil sie Kräuter kannten, die gewisse Wirkungen erzielten! Wer säße von uns noch hier?

Heute ist man teilweise schon freischaffender Künstler in dieser Branche.

Ja, und Pflege ist bunt! Sie ist bunter als ein Regenbogen oder eine Blumenwiese im Sommer. Sie erscheint in allen Facetten und durch alle Epochen hindurch. Wir finden sie, je nach Einrichtung und Fortschritt in Barock und in der Moderne, sowie in verschiedenen Renaissancen. Sie vereint in ihrem Stil oft differenzierte oder gar gegensätzliche Ansichten und Darstellungsformen: von Irrationalismus über Kubismus, Abstrakte Kunst und Exkrementismus (das habe ich erfunden!).

Momentan befinden wir uns in der Postmoderne und es wird Zeit für Wandel und eine neue Renaissance- ein neues Zeitalter.

Elemente der Kunst

Die Arbeit mit Farben:

Farben sind wichtig! In der Pflege! Wir erkennen, was jemand gegessen hat- und wie! Wir sehen, ob das Blut, das in der Notfallambulanz auf den Boden tropft, eher dunkel oder helles rot darstellt und können daraus schlussfolgern, ob der OP schnell bereitgestellt werden sollte oder aber derjenige schön nach der Reihe auch 2 Stunden warten kann. Ist die Haut gelb, sagt uns dies was anderes, als wenn die Haut beispielsweise rot oder blau wäre… Oder weiß! Das ist übrigens ganz schlecht.

Aber da reden wir nicht drüber- Künstlergeheimnis… ;-)!

Früher war der Arzt ja der Künstler, der Held von Tante Marga, der Gott in weiß… Dabei fängt heute und auch schon in früheren Zeiten Pflege doch oft erst an der Stelle an, wo der gar nicht mehr weiter weiß.

Achten Sie immer darauf, ob ihr Arzt ihnen in die Augen schaut. So lange ist er sich sicher, Ihnen helfen zu können! Ansonsten fragen Sie besser grade eine Pflegekraft…. Sie erhalten dann nämlich in den meisten Fällen eh nur noch abfertigende oder knappe Antworten oder eine Behandlung, die zwar nicht hilft, aber vielleicht noch extra abgerechnet werden kann.

Und selbst, wenn der Mensch schon weitgehend alle Sinne ausgeschaltet hat, wirkt die Kunst der Pflege in ihm nach oder kann ihn auf irgendeinem Wege noch erreichen.

Die Arbeit mit Pinseln:

Die Einfaltspinsel, unter Chefärzten, wie unter Kollegen, Patienten und Angehörigen. Man muss mit jedem auskommen und arbeiten können. Und das mit dem, was man dazu zur Verfügung hatJeder kennt sie. Es gibt sie in allen Ausführungen, verschiedener Länge und Breite, älteren Herstellungsdatums oder auch in junger moderner Ausführung. Manche haben Borsten und manche sind sanft wie Seide. Anderen fehlen schon Haare und andere haben starke Macken, Kerben und Schrammen.

 

Die Arbeit auf verschiedenen Untergründen und mit verschiedenen Materialien:

Wir arbeiten überall auf der Welt und mit allem und jedem!

Das ist das tolle an der Kunst! Wenn man einmal entdeckt hat, was sich damit alles anstellen lässt, ist es eine wundervolle, kreative und abwechslungsreiche Tätigkeit. Wir können täglich das Bild von gestern abzeichnen, aber wer möchte und sich entfaltet, kann etwas vollkommen Neues erschaffen! Pflege als Kunst kann es besser machen oder anders als vorher, sie kann etwas nie Dagewesenes erschaffen. Diese Kunst entwirft vollkommen neue Perspektiven und Strukturen, wenn man die Möglichkeiten sieht, die sich gerade im ambulanten Feld bieten. Wir können in Einrichtungen wirken, aber auch in Familien, Schulen, Gemeinden oder in Wissenschaft und Forschung. Wir können mit Alten, Kindern, Schwulen, Lesben und Straftätern arbeiten. Wir können zu Hause arbeiten oder in anderen Ländern.

Und mit den bereits oben beschriebenen Pinselarten können Materialien jeder Gestalt bearbeitet, gemalt oder modelliert werden, ob schmierig wie Öl, glatt wie Lack oder auch spröde wie Kreide. Mancher sieht nur schwarz und weiß, andere sehen rot oder rosa…. Diese Kunst passt sich an!

Und ob das allen so gefällt oder nicht- EGAL! Da berufe ich mich nun auf die Freiheit des Künstlers! Ich care weiter und Du- Mach mit und CARE vor Deiner eigenen TÜR! 😉

 

 

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