Wo ist der Nutzen einer Kammer für Pflegeberufe

NUTZEN EINER KAMMER FÜR DEN BERUFSSTAND PFLEGE

 

Die spezielle Rolle einer Pflegekammer besteht darin, dass sie aufgrund der ihr vom Gesetzgeber gewährten besonderen Vollmachten berufsregulierende Funktionen ausübt, die zur Selbständigkeit des Berufes beitragen. Durch das einer Kammer vom Gesetzgeber übertragene Hoheitsrecht wird die berufliche Selbstverwaltung und dadurch die berufsfachliche Kontrolle der Berufsangehörigen durchgeführt.

Aufgrund der ihr übertragenen berufsregulierenden Aufgaben wäre es Sache der Kammer, berufliche Richtlinien und Vorschriften zu erlassen und Systeme zu entwickeln, wodurch diese in die Praxis umgesetzt und entsprechend überwacht werden können, Die Kammer würde ein den Vorgaben internationaler Pflegeorganisationen entsprechendes Berufsbild in ihre Satzung aufnehmen sowie Inhalte und Aktionsspektrum der Pflege definieren. Die Berufspraktiker/innen könnten sich in problematischen Situationen am Arbeitsplatz auf bestehende Orientierungsrichtlinien der Kammer berufen und ihren Standpunkten dadurch größeres Gewicht verleihen.

Die Kammer würde durch Abhalten des pflegerischen Staatsexamens die Lizenzierung der Berufsangehörigen vornehmen. Dadurch würde die zur Zeit von berufsexternen Behörden ( je nach Länderregelung das Gesundheits- und/oder Kultusministerium) vorgenommene Anerkennung der Ausbildung von einer berufseigenen Institution durchgeführt. Durch eine mit der Lizenzierung einhergehende Registrierung würde von der Kammer der Personenkreis erfasst, der aufgrund seiner beruflichen Qualifizierung befähigt ist, professionelle Krankenpflege auszuüben. Im Hinblick auf das ihr vom Gesetzgeber erteilte Mandat zur Sicherstellung qualitativer Pflegeleistungen wäre die Kammer gehalten, bestimmte Fortbildungsmaßnahmen als Pflichtübungen der Berufsangehörigen einzufordern . Bei Nichteinhaltung festgelegter beruflicher Mindeststandards seitens der Berufspraktiker/innen oder Missachtung des beruflichen Verhaltenskodex wäre die Kammer ermächtigt, entsprechende Disziplinarmaßnahmen durchzuführen.

Was die Berufsausbildung betrifft, läge es im Aufgabenbereich der Kammer, eine einheitliche Ausbildungs- und Prüfungsordnung zu erarbeiten und einzusetzen. Generell unterläge der Betrieb von Krankenpflegeschulen den Bestimmungen der Kammer. Das heißt, es würden Standards für die Eröffnung von Schulen, die Inhalte der Curricula und die Qualifikation der Lehrenden von dieser berufseigenen Institution festgelegt und überwacht. Gleichermaßen würden einheitliche Standards für praxisbezogene Fortbildungsmaßnahmen von der Kammer erarbeitet und deren Einhaltung durch regelmäßige Überprüfung gewährleistet, Durch diese und ähnliche Funktionen einer Kammer könnte ein höherer Organisationsgrad des Berufsstandes erreicht werden, Gleichzeitig könnte durch eine standeseigene Festlegung und Kontrolle beruflicher Aktivitäten eine erhöhte Autonomie des Berufes herbeigeführt werden. Außerdem könnten alle angeführten Maßnahmen zur Professionalisierung des Berufsstandes beitragen.

Durch eine Zusammenarbeit der Kammer mit anderen beruflichen Organisationen könnte möglicherweise das berufspolitische Gewicht der Pflege verstärkt und dadurch der Durchsetzung diesbezüglicher pflegerischer Interessen Nachdruck verliehen werden.

Aus soziologischer Sicht zeigt sich, dass Experten, die im Dienste einer Berufskammer stehen, zu begehrten und unentbehrlichen Gesprächspartnern für die hoheitliche Verwaltung und die Politik werden können, wenn sie auf Dauer Sachkompetenz und Spezialinformationen für anstehende Sachentscheidungen zur Verfügung zu stellen können. Dann besteht eine hohe Wahrscheinlichkeit dafür, dass anstehende Entscheidungen der Verwaltung und der Politik nicht nur der Allgemeinheit, insbesondere der Gemeinschaft aller (potentiellen) Patienten nützlich, sondern gleichzeitig auch kammerinteressengeprägt, d.h. den Vorstellungen der Pflegenden folgend, sein werden.
Die Finanzierung einer Kammer für Pflegeberufe ist realistisch ausschließlich durch Erhebung von Mitgliedsbeiträgen in sozial verträglicher Höhe und Gebühren möglich. Rechtlich denkbar ist auch eine Teilfinanzierung der Pflegekammer durch öffentlich-rechtliche Finanzmittel , die durch Einsparungen auf der Verwaltungsseite aufgrund der Aufgabendelegation an die Kammer dieser zur Verfügung gestellt werden könnten.